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Genau zehn Jahre nach der Ehrung für Günter Grass geht der Literatur-Nobelpreis wieder nach Deutschland. Die in Rumänien geborene Herta Müller wird ausgezeichnet, weil sie „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ zeichne. Immer wieder reflektiert sie in ihrem Werk die Erfahrungen im totalitären Regime und die mörderische Herrschaft der rumänischen Securitate. Das Schreiben ist für sie die einzig mögliche Form der Bewältigung dieser Schrecken. Erinnernde Texte, Selbstvergewisserungen, teils wortmächtig, teils karg, prägten auch den diesjährigen Wettbewerb um den Deutschen Buchpreis, der sich in wenigen Jahren zu einer der bedeutendsten Auszeichnungen hierzulande entwickelt hat. Die Siegerin, Kathrin Schmidt, beschreibt in ihrem Roman „Du stirbst nicht“ die Identitätssuche eines Menschen nach einem Hirnschlag. Es ist ihre eigene Geschichte: Die Autorin erlitt 2002 ein ähnliches Schicksal und musste ihr Sprechvermögen mühsam wiedererlangen. Herta Müller, Kathrin Schmidt, aber auch viele andere in diesem Jahr Ausgezeichnete, wie Ilija Trojanow (Preis der Literaturhäuser), Sibylle Lewitscharoff (Preis der Leipziger Buchmesse für „Apostoloff “), Roberto Saviano (Geschwister-Scholl-Preis) oder Nicholas Stern (FOCUS-Zukunftspreis für „Der Global Deal“) beweisen, dass sich deutsche wie internationale Autoren große Themen (wieder) zutrauen. Dass sie (wieder) realistisch und bewegend erzählen können. Belletristik und aktuelle Sachliteratur haben Gewicht und tragen mehr denn je zur Deutung einer Welt in prekärem Zustand bei. Das Lesepublikum und die Preisrichter goutieren das – glücklicherweise. Jobst-Ulrich Brand Kulturredakteur beim Nachrichtenmagazin FOCUS |
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