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Wer will heute noch Kritik? Ist der Kritiker überhaupt noch gefragt – über seine zitierfähige, werbewirksame Sentenz hinaus? Sind die Künste aus Sicht der Medien nicht bereits Teil des umfassenden Unterhaltungsprogramms einer vereinnahmenden Kulturindustrie geworden? Bedarf es da noch der Vermittlung der Künste, der Orientierung in und zwischen den Künsten, der sensiblen Beschreibung und fundierten Wertung auch des Unspektakulären und Leisen? Eine skeptische Beantwortung der Fragen fällt auf die Gesellschaft, auf die Medien, aber auch auf die Kritik und auf die Kunst gleichermaßen zurück. Dahinter steht die Frage nach der Freiheit der Kunst. Wo die Kunst nur noch Ware ist, ist der Kritiker nur noch als Verkäufer gefragt. Nicht selten ist er das auch, sehenden Auges und oft ohne Alternative. Aber die Kunst braucht ein kundiges und kritisches Gegenüber, das sich zu Wort meldet, zur Diskussion führt, Zusammenhänge herstellt, die Kontroverse nicht scheut und den Blick für die Qualität schult. Die Kunst kann uns mit dem ganz anderen konfrontieren, uns das Sehen, Hören und Sprechen, das Denken neu lehren, die Sinne schärfen, die Differenzierung hervortreiben, das Selbstbewusstsein stärken. Sie kann Gegenpol sein zu den Meinungsmachern, zu den Trivialisierern, Banalisierern, Profanisierern, zur Entsinnlichung des Alltags, Gegenpol zum Verlust des Eigenen und zum Aufgehen in Konsum und Unterhaltungsindustrie. Und das ist, damit da kein Missverständnis aufkommt, ohne beste Unterhaltung nicht zu haben! Die Aufgabe der Kritik ist es, an der Seite der Künste diese ihnen ureigene Fähigkeit und Kraft zu befördern. Was wir brauchen: eine neue Kulturoffensive! „Ausgezeichnet!“ hilft uns dabei, ausgezeichnet! Wend Kässens Publizist, Kritiker, Redakteur, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Kritiker |
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